|
Unterschriftensammlung zur Initiative Jugend+Musik Alle Menschen sind musikalisch; das zeigt sich daran, dass wir alle sprechen können. Weil das Kleinkind feinste Unterschiede in der Tonhöhe, der Lautstärke und des Rhythmus erkennt, erlernt es die Muttersprache mit Leichtigkeit. Diese musikalischen Anlagen sind in jedem Menschen vorhanden, und es ist ein Menschenrecht, dass sie auch entwickelt werden, dass also jedes Kind lernen darf zu singen, zu tanzen und zu musizieren. So kann es seine Lebensfreude ausdrücken, daraus holt es die Motivation und die Freude am Lernen, so kann es sich als Persönlichkeit ganz entfalten, und es wird sozial verträglicher. Alles das wurde in den Jahren 1988 bis 1991 im grossen Nationalfondsprojekt „Bessere Bildung mit mehr Musik" wissenschaftlich nachgewiesen. Beginnen muss diese musikalische Entwicklung schon beim Kleinkind, also in der Familie mit dem Singen und Spielen von Versen und Liedern. Sie müsste aber sorgfältig fortgesetzt werden im Kindergarten und in der Schule. Und die Schule müsste auch die Grundlagen schaffen, auf denen der Instrumentalunterricht an der Musikschule aufbauen kann. Leider sind viele Lehrkräfte nicht in der Lage, einen guten Musikunterricht zu erteilen, weil sie dazu nicht oder nur schlecht ausgebildet worden sind. In vielen Schulen werden die Musiklektionen ineffizient vertan oder für andere Zwecke verwendet. Zudem kann dieses anspruchsvolle Fach neuerdings an den Pädagogischen Hochschulen abgewählt werden, so dass auf lange Sicht viel zu wenige Lehrkräfte zur Verfügung stehen, die Musik wirklich kompetent unterrichten können. Wer je die Begeisterung erlebt hat, mit der Schülerinnen und Schüler unter engagierter und charismatischer Leitung ein Werk aufführen, der kann den jammervollen Schaden ermessen, wenn auf solche Impulse verzichtet und nur noch für das Zeugnis gebüffelt werden muss. Die Folgen sind eine verzerrte Selektion (die Robusten überleben, die Sensiblen scheitern) und oft auch gesundheitliche Schäden. Schulen mit Musik sind gute Schulen, denn Musik fordert und fördert einen wachen Geist. Deshalb wäre Bildung ohne Musik keine echte Bildung. Wer musikalisches Können einmal erworben hat, möchte es nicht missen, wer musikalische Ausbildung verpasst hat, empfindet das sein Leben lang als Mangel. Verglichen mit der grosszügigen Förderung der sportlichen Aktivitäten durch Jugend+Sport verlangt die Initiative eigentlich Bescheidenes: Kinder und Jugendliche sollen unterstützt werden, wenn sie an einer Musikschule ein Instrument erlernen, musikalisch besonders Begabte sollen gefördert werden. Das Ziel der Initiative entspricht der Position der Grünen: In unserem Bildungspapier verlangen wir ein Gleichgewicht zwischen kognitiven, musischen, kreativen, motorischen, psychischen und sozialen Inhalten, und wir stellen fest, dass dieses Gleichgewicht nur mit einer Aufwertung insbesondere der musischen Fächer zu erreichen ist. Ausserdem fordern wir darin, dass die Schulen ihren Unterricht mit den Musikschulen koordinieren. Die Initiative sollte eine möglichst hohe Unterschriftenzahl erreichen. Das wäre dringend nötig, um bei den Politikern genügend Druck aufzubauen. So könnten sie dazu gebracht werden, jetzt endlich die Motion Bangerter umzusetzen, die seit bald 10 Jahren ein Gesetz über Musikerziehung verlangt, worin unter anderem der Musik in der Lehrerbildung mehr Gewicht zukäme. Ernst Waldemar Weber.Am 18. Dezember 2008 wurden die 154'000 beglaubigten Unterschriften der Initiative «jugend + musik» der Bundeskanzlei in Bern übergeben! |