|
Orff Schulwerk Schweiz ist Mitglied des Schweizer Musikrates. Eine der Arbeitsgruppen des SMR war die KMS, die Koordination Musikerziehung Schweiz, die 1995 auf Initiative von Ernst Waldemar Weber gegründet worden war und alle Verbände umfasste, die sich in irgend einer Weise mit Musikerziehung befassen, also der Schweizer Musikpädagogische Verband SMPV, der Verband Musikschulen Schweiz VMS, aber auch die Laienverbände von der Chorvereinigung bis zu den Jodlern, von den Laienorchestern bis zu den Blasmusiken. Bevor die KMS zu einer Arbeitsgruppe des SMR wurde, war sie zwei Jahre lang selbständig und unabhängig, und in dieser Zeit beteiligte sie sich an der Vernehmlassung für die neue Bundesverfassung mit dem Vorschlag eines Artikels über "Jugend+Musik" (aus diesem Vorstoss entwickelte sich der Art. 69,2 BV), und sie wandte sich zweimal an die EDK mit Vorstössen betreffend die Maturitäts-Anerkennungs-Verordnung und die neue Lehrerbildung. Das Sekretariat besorgte in dieser Zeit Ernst Waldemar Weber; er vertrat damit auch OSWS. Nach seinem Ausscheiden hat die KMS keine Stricke mehr zerrissen. Deshalb ersuchte OSWS um Aufnahme in die KMS, um dort ein wenig Dampf zu machen, und genau deshalb wurde unser Antrag abgelehnt. Die KMS ist mittlerweile gestorben. Seither haben wir in mehreren Anläufen versucht, unsere Vorschläge direkt einzubringen, fanden aber leider im SMR kein Gehör. Antrag auf Mitgliedschaft in der KMS Studie über musikalische Fähigkeiten der Schulabgänger Antrag Motionen Bangerter und Danioth Antrag betreffend Bericht Musikalische Bildung Antrag auf Mitgliedschaft in der KMS Am 20. März 2003 schrieben wir dem Schweizer Musikrat zuhanden der Delegiertenversammlung: Orff Schulwerk Schweiz stellt an die SMR-Delegiertenversammlung vom 3. Mai 2003 den Antrag, folgenden Beschluss zu fassen: "Orff Schulwerk Schweiz ist vollwertiges Mitglied der Arbeitsgruppe KMS." Begründung: In der Dachorganisation Schweizer Musikrat muss allen Mitgliedorganisationen das Recht zustehen, sich in den Vorstand oder in Kommissionen wählen zu lassen und in Arbeitsgruppen mitzuarbeiten. Durch den willkürlichen Ausschluss einer Organisation würde die demokratische Meinungsbildung eingeschränkt, die Diskussion innovativer Ideen erschwert und die Glaubwürdigkeit des SMR geschwächt. Die Teilnahme von OSS wäre eigentlich selbstverständlich: Keine der in der KMS vertretenen Organisationen hat je um die Aufnahme ersuchen müssen, nicht einmal diejenigen, bei denen die Musikerziehung nur am Rande ein Thema ist. Unser Begehren vom 30. Juni 2002 wurde am 16. Juli durch den Präsidenten Professor Stämpfli abgelehnt, und zwar begleitet vom absurden Rat, uns mit unserem Anliegen an die SKSM zu wenden. An der SMR-Delegiertenversammlung vom 31. August 2002 brachte unser Delegierter das Anliegen zur Sprache, und Herr Stämpfli billigte uns dieses Recht ausdrücklich zu. Aber am 11. September sprach es uns der neue Präsident Dr. Koch wieder ab. Auf unseren Einspruch vom 18. Februar 2003 entgegnete er uns schriftlich, er sei für diesen Entscheid gar nicht zuständig. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass im Protokoll der DV vom 31. August 2002 einerseits die Antwort des Präsidenten unterschlagen, anderseits jedoch ein Votum von Frau Bally eingefügt ist, das gar nicht stattgefunden hat. Angesichts solcher Verwirrungen und Verirrungen erscheint es unumgänglich, dass die Delegiertenversammlung entscheidet. Aber an der Delegiertenversammlung in Einsiedeln verkündete der Präsident Alois Koch, die Aufnahme eines Verbandes in die KMS sei Sache des Vorstandes, und dieser lehne unser Gesuch ab. Studie über musikalische Fähigkeiten der Schulabgänger Im Frühjahr 2006 richteten wir über den Dienstweg, nämlich den Vorstand des Musikrates, an die Parlamentarische Gruppe Musik die folgende Eingabe: Eine der wichtigsten Grundlagen für das Kulturförderungsgesetz ist der zweite Satzteil in Absatz 2 des Artikels 69 BV („ …sowie Kunst und Musik, insbesondere im Bereich der Ausbildung, fördern“), und dieser Text war in beiden Räten ausschliesslich mit Argumenten zugunsten eines besseren Musikunterrichts in den Schulen begründet worden. Dass im Entwurf für das KFG – auf massiven Druck der EDK – der schulische Musikunterricht nicht einmal erwähnt wurde, ist für uns eine grosse Enttäuschung. Dazu kommt, dass im Bericht des Bundesrates „Musikalische Bildung in der Schweiz“ (entgegen der Meinung der Experten) der Eindruck erweckt wird, es stehe mit dem Musikunterricht innerhalb der obligatorischen Schulzeit alles bestens, weil „jedem Kind im Rahmen seiner Klassengemeinschaft ein kostenfreier und obligatorischer Zugang zu musikalischer Bildung gewährleistet“ sei. Dem gegenüber stehen die Vermutung, dass „ein grosser Teil der Schulabgänger – mit Ausnahme derjenigen, die eine Musikschule besucht haben – musikalische Analphabeten“ seien (Ernst W. Weber) und die Aussage von Prof. Jakob Stämpfli (in der Musikzeitung vom September 2005): „Die Schulen ziehen sich mit faulen Ausreden weitgehend aus der musikalischen Erziehung zurück“. Vermutungen und Behauptungen bringen uns nicht weiter. Orff Schulwerk Schweiz schlägt deshalb zuhanden der Parlamentarischen Gruppe Musik vor, der Bundesrat sei einzuladen, eine den erwähnten Bericht ergänzende, repräsentative Studie über die musikalischen Fähigkeiten und Kenntnisse der Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schulzeit durchführen zu lassen. Die Studie müsste streng wissenschaftlich durchgeführt und ausgewertet werden, als Prüfende könnten pensionierte Musiklehrer eingesetzt werden. Diesen Text übergab der Sekretär des Musikrates an die Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Musik, aber diese verlegte oder verlor ihn. Wir mussten ihn also im Herbst 2006 noch einmal senden; er soll nun an der ersten Sitzung des Vorstandes SMR im Jahr 2008 zur Sprache kommen. An der DV 2006 in Basel stellten wir zwei Anträge: Orff Schulwerk Schweiz stellt an die Delegiertenversammlung des SMR vom 8. September die folgenden zwei Anträge: 1. Unmittelbar nach der Annahme der revidierten Bundesverfassung im Frühjahr 1999 reichten NR Käthi Bangerter und SR Hans Danioth die folgenden gleichlautenden Motionen ein: Der Bundesrat wird beauftragt, in Ausführung von Art. 69, Absatz 2 der Bundesverfassung gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um eine landesweite und ganzheitliche Förderung der Musikausbildung zu ermöglichen. Dieses Ziel soll insbesondere wie folgt erreicht werden: a Die Pflege der Musik, insbesondere des Singens in der Schule, ist gezielt zu fördern. b Die fachdidaktischen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen für die Ausbildung von Lehrkräften in Musik sind gesamtschweizerisch zu harmonisieren und zu verstärken. c Die Zusammenarbeit mit den Kantonen und weiteren Trägern der Musikerziehung ist generell sowie durch die Bildung einer Fachgruppe Musik und gegebenenfalls eines schweizerischen Kurszentrums Musik zu koordinieren. Es sind hiezu Konkordate anzustreben. Diese Motionen waren durch den SMR angeregt und in intensiver Zusammenarbeit formuliert worden. Sie wurden als Postulate überwiesen, aber bis heute ist keine dieser Ideen auch nur ansatzweise einer Realisierung näher gekommen. Orff Schulwerk Schweiz stellt den Antrag, der SMR möge in einem Bericht an die Delegierten darlegen, welche Schritte er unternommen hat oder zu unternehmen gedenkt, um diesen Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen. 2. Im Sommer 2005 wurde der Bericht „Musikalische Bildung in der Schweiz“ des Bundesamtes für Kultur, an dem Experten aller Stufen mitgewirkt hatten, der Öffentlichkeit vorgestellt. Besonders gespannt war man auf die Aussagen über den Stand der Ausbildung der Schulkinder, der grössten und wichtigsten Gruppe unter den zu Bildenden. Alle höheren Ausbildungen, von der Sekundarstufe II über die tertiären Schulungen bis zur Erwachsenenbildung, müssen ja auf der dort geleisteten Arbeit aufbauen. Erstaunlicherweise stand von den 15 Seiten des Berichts nur etwas weniger als eine halbe Seite für den Musikunterricht innerhalb der obligatorischen Schulzeit (Punkt 3.2) zur Verfügung. Noch erstaunlicher ist, dass dort zu lesen ist: „Mit den öffentlichen Schulen in der Schweiz ist jedem Kind im Rahmen seiner Klassengemeinschaft ein kostenfreier und obligatorischer Zugang zu musikalischer Bildung gewährleistet“. Dieser Satz und auch der nachfolgende Text erwecken den Eindruck, alles sei in bester Ordnung, was aber nicht der Meinung der Experten entspricht. So steht beispielsweise im Materialienband des Berichts (unter 4.4), dass die Schülerinnen und Schüler am Anfang des Gymnasiums (also einer Auswahl) im besten Fall über ein musikalisches Wissen verfügen, das den Lehrplänen des 5. Schuljahres entspricht. Es muss vermutet werden, dass ein grosser Teil der Schulabgänger – mit Ausnahme derjenigen, die eine Musikschule besucht haben – musikalische Analphabeten sind. In der Ausbildung der Lehrkräfte – auch für die Unter- und Mittelstufe, wo ein integrales Patent erworben wird – ist das Fach Musik neuerdings fakultativ, so dass damit gerechnet werden muss, dass immer mehr Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Klassen nicht mehr singen, geschweige denn die Elemente der Musik (was etwa dem ABC oder dem Einmaleins entspräche) überhaupt erarbeiten können. In Wahrheit hat sich die Schule bereits weitgehend aus der Musikerziehung abgemeldet (das hat auch der ehemalige Präsident des SMR, Jakob Stämpfli in der Musikzeitung festgestellt; allerdings weist er „der Schule“ selbst die Schuld zu, indem er ihr „faule Ausreden“ unterstellt). Orff Schulwerk Schweiz stellt folgenden Antrag: Der Musikrat protestiert gegen die der Expertenmeinung diametral entgegengesetzte Aussage im Bericht „Musikalische Bildung in der Schweiz“ und verlangt vom BAK eine Korrektur und zudem eine Erklärung, wie es zu dieser irreführenden Formulierung kommen konnte. Dem ersten Antrag wurde entsprochen, indem Präsident Koch in Aussicht stellte, darzulegen, wie sich der Musikrat für die Verwirklichung der Motionen eingesetzt hat. Infolge interner Schwierigkeiten wurde dieser Auftrag - wie sich anlässlich der DV 2007 zeigte - vergessen, und der Musikrat hat sich dafür bei uns ent-schuldigt. Wir haben auf den Bericht verzichtet, unsererseits aber klargestellt,"dass der Musikrat nach unserer Auffassung überhaupt nichts unternommen hat zur Umsetzung der Motionen". Weil der SMR bezüglich Expertenbericht bereits einen allerdings nicht dezidierten Brief an das BAK geschrieben hatte, wurde der zweite Antrag mehrheitlich abgelehnt. |